Fundamentalisten der Relativierung

von Andreas H.

Zurzeit laufen die Apologeten des Islam und Kritiker der Islamkritik Amok. Ja, sie laufen Amok, anders kann man es nicht sagen, wenn man die irrationale Raserei in den deutschen Feuilletons verfolgt. Vieles von dem, was dort geschrieben wird, ist verquer bis verrückt und sicherlich das Meiste ärgerlich, doch es lohnt nicht darauf zu antworten, denn Islamkritiker haben ohnehin ausnahmslos die besseren Argumente bzw. sie haben überhaupt welche. Auf der Gegenseite sieht es damit eher mager aus, weshalb man allerhand Fakten verdrehen und uminterpretieren muss, woraus sich die oft hanebüchene Argumentation dieser Leute erklärt.
Das allerdings, was Herr Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung in der letzten Zeit zum Besten gibt („Unsere Hassprediger“, SZ vom 14.01. und) kann man nicht unerwidert stehen lassen. Seine Argumentation ist von einer Unverschämtheit und Perfidie gekennzeichnet, die in der deutschen Presse ihresgleichen sucht. An manchen Stellen ist sie geradezu pervers, an anderen unredlich und verlogen.
Nun, worüber rege ich mich auf? Da ist zum einen der alte Intellektuellen-Trick, die Abstraktion möglichst weit zu treiben, um bloß ja vom Konkreten, der Realität, dem Erfahrungshorizont der Betroffenen wegzukommen. Von dieser weit abgehobenen Position im Elfenbeinturm lässt sich dann mühelos gleichsetzen, was nicht im Entferntesten gleich ist. Und so wird der Streiter für universelle Menschenrechte und eine liberale Demokratie zum Ebenbild des radikalen Terroristen.
Von einem Fundamentalismus der westlichen Werte zu sprechen ist nicht nur zynisch, sondern in höchstem Maße obszön. Zudem macht sich Herr Steinfeld hier die Formulierung eines Mörders zu eigen und sich damit mit ihm gemein (Der Begriff „Fundamentalist der Aufklärung“ stammt von Bouyeri, dem Mörder Theo van Goghs).
Herr Steinfeld muss sich daher fragen lassen: Ist Mord für Sie ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung? Gehören Sie auch zum Kreis jener Menschen, für die immer das Opfer Schuld ist und nicht die Person deren Hand die Waffe führt? Sind Sie auch ein Bewunderer der RAF und ihrer Mordtaten?
Würden Sie auch so leichtfertig mit Formulierungen wie „Arbeit macht frei“, „Sonderbehandlung“ oder „jüdisches Kapital“ umgehen?
Westliche Werte, also das, was Islamkritiker wie Ralph Giordano, Hendryk M. Broder, Necla Kelek u v.a. verteidigen und die Herr Steinfeld in seinem Artikel in Anführungsstriche setzt, was ist das? Was ist damit gemeint?Vor allem doch wohl dreierlei: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Ich weiß, Freiheitsliebe hat bis heute in Deutschland keine große Tradition, schon gar nicht in den Feuilletons, wo man heimlich bis heute von einer „Diktatur der Intelligenz“ träumt. Und lassen wir die Demokratie einmal beiseite, die in der Redaktion der SZ auch kein allzugroßes Ansehen genießt, wie der Artikel über die Volksabstimmung in der Schweiz von Thomas Kirchner in der Süddeutschen vom 30.11.2009 offenbart.
Aber sehen wir uns doch die Menschenrechte an und werden wir konkret. 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die „Allegemeine Erklärung der Menschenrechte“. In Artikel 1 steht: „Alle Menschen sind frei und gleich an Rechten geboren. …“Artikel 2: „Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ….“ und Artikel 3: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“

Das bedeutet z.B. auch, dass niemand das Recht das Recht hat, einer anderen Person eine Religion und einen bestimmten Lebensstil aufzuzwingen. Auch ein Vater gegenüber seiner volljährigen Tochter nicht. Diese ist frei, ihren Weg zu wählen und niemand hat das Recht, ihr dies unter Berufung auf Tradition und Religion zu verwehren, schon gar nicht aber, sie ihrer Freiheit zu berauben oder sie gar zu ermorden. Dasselbe gilt für Zwangsehen und für Frauen, die solche verlassen wollen und ebensooft Opfer von Mordanschlägen werden.
Sind diese Frauen nun Fundamentalistinnen der Freiheit? Ist, wer sich auf die Seite dieser Frauen (oder auch auf Seiten von Männern, die aus dem Islam aussteigen wollen) stellt, ein Hassprediger?
Welchen Grund könnte ein vernünftiger Mensch in Deutschland haben, sich auf die Seite des zu allem bereiten Familienpatriarchen zu stellen?
Dies sind nur Extrembeispiele, die allerdings in erheblicher Anzahl vorkommen und deren Zahl in Zukunft rapide zunehmen wird. Doch schon weit unterhalb dieser Grenze verstoßen Muslime jeden Tag zehntausendfach gegen die Rechte anderer (auch autochthon-europäischer) Menschen.
Nun wirft Herr Steinfeld jenen Menschen, die auf die Beachtung solcher Rechte bestehen, vor, Sie behandelten diese Werte wie radikale Glaubensdogmen und setzt diese Leute letztlich mit den Anhängern von Al-Qaida gleich. Dabei blendet er bequemerweise aus, dass, wo immer er Personen zugesteht, sich über solche Rechte hinwegzusetzen, anderen ebendiese Rechte vorenthalten werden.
Das fällt ihm leicht, denn er selbst ist bislang davon nicht betroffen. Diese Zumutungen sollen stets für andere gelten, damit die eigenen Glaubenssätze nicht ins Wanken geraten.

Welche Probleme also können Zuwanderer mit der Ordnung eines Landes haben, in dem jeder die Freiheit hat, seinen Lebensstil zu verfolgen, wenn nicht mit der Freiheit selbst. Und in der Tat: wann immer es zu Konflikten mit Muslimen kommt, ist nie deren Freiheit ein Problem (außer man sieht das Verbot von Straftaten als Einschränkung ihrer Freiheit an), denn sie sind hier frei zu glauben, was sie wollen, zu beten, wie sie wollen, zu essen, wie und was sie wollen, ihre Zeitungen und Fernsehsender zu wählen, untereinander ihre Sprache zu sprechen, zu wohnen, wo sie wollen, die deutsche Staaatsbürgerschaft anzunehmen oder abzulehnen, ja sogar, sich ständig abfällig über dieses Land und seine Menschen zu äußern.
Nein, ihr Problem ist immer die Freiheit der anderen, die sie gerne eingeschränkt sehen wollen. Zunächst vor allem die Freiheit ihrer Frauen und Töchter, zu leben, wie sie wollen, sich zu kleiden wie sie wollen, zu lernen, was sie wollen oder zu heiraten wen sie lieben. Dann aber auch – und zwar in zunehmendem Maße –  unsere Freiheit, im eigenen Land zu sagen, zu schreiben – oder auch zu denken – was wir wollen. Und dabei erweisen sich Ideologen wie Herr Steinfeld als ihre eifrigsten Handlanger. Wer den Islam kritisiert, wird ausgegrenzt, vor Gericht gezerrt, bedroht oder  tatsächlich angegriffen und sogar ermordet, wie z. B. eben Theo van Gogh. Und unser Staat kollaboriert mit den Feinden seines Souveräns: so hat die vom früheren Innen- und jetzigen Finanzminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufene Islamkonferenz von den Medien gefordert, positiver über den Islam zu berichten, da das Erscheinungsbild dieser Ideologie in ebendiesen Medien zu negativ sei und diese damit verantwortlich für das schlechte Image des Islam sei. Diese Forderung hat anschließend ein großes, von Zustimmung gekennzeichnetes Echo in der Presse erfahren. Das muss man sich einmal vorstellen! In einer von der Regierung geleiteten Veranstaltung wird positive Berichterstattung geordert und anschließend geliefert. Man sollte sich einmal vorstellen, die CSU, die katholische Kirche oder der Ärzteverband würden solche Forderungen stellen, weil die vorherrschende Berichterstattung ihren Intentionen schadete.

Dass sich das katastrophale Ansehen des Islam vielleicht eher aus der Realität (für Leute wie Th. Steinfeld eine quantité negligeable) als aus der Berichterstattung über diese erklärt, kommt diesen Funktionären natürlich nicht in den Sinn. Die Realität, das sind fast 15 000 (!) geglückte Terroranschläge weltweit allein seit 9/11, ein nun schon Jahre andauernder Genozid in Darfur, der Piraten-Jihad am Horn von Afrika, die Entführungen von Helfern im Jemen, Schächtungen von Menschen vor laufender Kamera, die Zerstörung der Buddhas von Bamian, brennende Botschaften, Ehrenmorde, brennende Vorstädte in Europa und so viele andere abscheuliche Dinge, dass sie hier nicht entfernt aufgezählt werden können. Aber unsere Medien sollen lieber über das Zuckerfest oder die als Bereicherung verkaufte Okkupation des Tages der deutschen Einheit durch den „Tag der offenen Moschee“ berichten. Das ist sowohl Zensur als auch Gehirnwäsche. Und Herr Steinfeld ist ein williger Teil dieser Maschinerie.
Was aber ist so toll am Islam, dass so viele Intellektuelle als seine Missionare auftreten?
Nun, zum einen muss man sagen, dass viele Intellektuelle immer schon Huren der Macht und der Mächtigen waren, wiewohl sie sich gerne in die Pose des Revoluzzers werfen. Ein Blick auf Nazi-Deutschland, die Sowjetunion oder  – besonders lehrreich auf die Wende vom Dritten Reich zur DDR, zeigt dies zur genüge. Viele Journalisten, Soziologen und andere riechen gleichsam im Islam die Macht von morgen. Herr Steinfeld, ein Hegelianer, sieht hier schon den Weltgeist walten. Man kann getrost darauf wetten, dass sie, wenn es so weit ist, sich das richtige Parteibuch zulegen werden, d. h. sie werden die Schahada, das islamische Galubensbekenntnis sprechen. Viele dieser Vordenker des neuen Mittelalters haben außerdem eine maoistische Prägung aus ihrer Jugend mitgenommen, für sie gilt der Leitsatz: „Alles was besteht, ist wert, dass es zugrunde geht“. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus ist der Islam als einziger Feind der bestehenden westlichen Ordnung übrig geblieben, weshalb sich viele linke diesem wohlwollend zuwenden.
Der Hauptgrund aber ist die Angst. Aus vielem, was unsere „Eliten“ von sich geben, spricht die nackte Angst. Sie wollen keine Salman Rushdis und keine Theo van Goghs werden, auch hier hat der islam mit maoistischer Strenge zugeschlagen: „Bestrafe einen, erziehe hundert.“

Das eigentliche Skandalon an den Artikeln der Feuilletons ist aber, dass hier Menschen, die zu feige waren, die Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen, sich anmaßen, andere Menschen zu maßregeln und zu verunglimpfen. Ich habe für diese Leute nur Verachtung übrig. Mein ganzer Respekt und meine Hochachtung gilt Menschen wie Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ates und Salman Rushdi, die – aus einer anderen Kultur kommend – ihr Leben riskieren um hier unsere Werte zu verteidigen.

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Veröffentlicht am 18. Februar 2010 in HEIMAT und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Bravo! 100% korrekt, 100% Wahrheit, Klarheit und Ehrlichkeit.

    Respekt!

  2. Sehr gut.

    Wohin uns Steinfelds Glasperlenspiel führt, zeigt auch der Rauswurf von Gita Sahgal aus der britischen Sektion von Amnesty International:

    http://www.tagblatt.ch/aktuell/international/tb-au/Amnesty-und-die-Islamisten;art141,1496365

    OT:

    Berlins Innensenator Körting kritisiert die Türkei
    http://www.pnn.de/titelseite/266718/

  3. Danke für die guten und interessanten Informationen.
    Unsere Mainstreampresse verschweigt uns diese Themen doch vollständig und in voller Absicht.
    Wir dürfen halt nur das Erfahren, was diese uns sagen will und darf.
    Pro Bayern weiter so.

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